Mittwoch, 19. August 2015

[Rezension] Sobald Du gehst (Nadine Kapp)

(c) Booklover Verlag

Ausgabe: mobi

Seiten: 174

ASIN: B00ZGEWID2

Verlag: Booklover Verlag

Erschienen: 10.06.2015








Annika ist mit Ben zusammen, der sie jedoch betrügt. Wegen ihrer herrschsüchtigen Mutter schafft sie es nicht, sich von ihm zu trennen. Als schließlich Ben mit ihr Schluss macht, stürzt sie aus der Wohnung; sie verursacht einen Autounfall. Als sie im Krankenhaus liegt, muss sie sich entscheiden - für oder gegen die wahre Liebe. Lukas, seit Kindertagen ihr bester Freund, steht an ihrer Seite. Oder?
 
Bei diesem Buch handelt es sich um einen Kurzroman, den ich innerhalb weniger Stunden verschlungen hatte. Ohne langes Zaudern wird der Leser direkt in die Geschichte geworfen. Meistens wird sie aus Annikas Sicht erzählt. Ab und an meldet sich aber auch Lukas zu Wort. Die Sprache ist sehr flüssig, keine komplizierten Verschachtelungen, leicht verständlich.

Leicht hingegen ist die Kost der Autorin nicht. Es gab so einige Momente, da musste ich ungläubig blinzeln und schlucken und konnte gar nicht glauben, was ich da las. Ich war immer hin und her gerissen zwischen "Ach, Annika übertreibt gewaltig" und "Oh mein Gott, sie kann doch nicht wirklich diese Entscheidung getroffen haben!" Aber die Autorin hat das wirklich gut herausgearbeitet. Denn letztlich weiß niemand, was in der Psyche eines anderen vor sich geht, was sich hinter der Stirn abspielt. Oftmals ist das Auftreten nach außen hin etwas völlig anderes.

Die Autorin hält sich so gut wie gar nicht mit großartigen Beschreibungen auf. Für die Kürze des Romans ist das auch völlig in Ordnung und würde nur ablenken. Stattdessen wird das Hauptaugenmerk des Lesers allein auf die Handlung konzentriert. Die Charaktere beschreiben sich durch ihre Handlungen und Reaktionen selbst. Es ist daher auch unnötig, darauf nochmals einzugehen. Die Mutter fand ich wahnsinnig unsympathisch. Herrschsüchtig, nicht in der Lage, die eigenen Kinder zu lieben. Bis zum letzten Abschnitt blieb sie authentisch. Ich konnte unentwegt spüren, wie sehr Annika sich bemühte, alles richtig zu machen, der Mutter alles recht zu machen, damit sie sie liebt. Aber dann plötzlich, von jetzt auf gleich, wird die Mutter als völlig verzweifelte Frau dargestellt, die um ihr Kind bangt. Das fand ich persönlich nicht glaubwürdig und das konnte ich ihr auch nicht abnehmen. Und plötzlich ist auch nicht mehr nur von der Mutter die Rede, sondern von den Eltern. Das leuchtete mir nicht ganz ein, tauchte der Vater doch vorher nie auf. Aber die anderen Charaktere blieben sich selbst treu. 

Ich war auch sehr häufig im Zwiespalt: Zum einen konnte ich durchaus nachvollziehen, dass Annika sich so sehr nach der Liebe ihrer Mutter sehnt und sie deshalb ständig tat, was diese verlangte. Andererseits verstand ich nicht, wieso sie nicht erkennt, dass die Mutter sie nie wird lieben können und wieso sie sich nicht gegen die Mutter auflehnt. Die Autorin hat diesen Zwiespalt sehr bewusst durchklingen lassen. Aber wie im echten Leben auch ist man manchmal nicht in der Lage, Offensichtliches zu sehen, oder man will es nicht wahrhaben, nicht einsehen, dass sich bestimmte Dinge nie ändern werden, man hofft bis zum Schluss.

Der Aufbau des Buches ist wirklich interessant. Ich will nicht näher darauf eingehen, um nicht zu viel vorwegzunehmen. Aber nur eine Frage: Wenn ihr auf euer Leben zurückschaut, gibt es da einen Moment, an dem ihr euch heute - da ihr wisst, welche Konsequenz es gab - anders entscheidet würdet? Glaubt ihr, dass die Konsequenzen ganz andere wären? Oder gibt es ein Schicksal, das schließlich trotzdem alles auf denselben Punkt im Leben lenkt, auch wenn ihr euch anders entschieden hättet?

Diese Geschichte ließ mich sehr nachdenklich zurück. Es lohnt sich definitiv, sie zu lesen. Aber auch wenn sie kurz ist, sollte man sie mit Muße und Zeit lesen. Ich vergebe daher 4/5 Sternchen.

Zum Buch geht es hier.

1 Kommentar:

  1. Huhu Kata,

    der Inhalt hört sich spannend und dramatisch an. Mir ist das Buch bisher noch nie begegnet. Danke für Deine ehrliche Rezi.

    Liebe Grüße und eine schöne Woche,
    Tanja ♥

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