Donnerstag, 11. Juni 2015

[Rezension] Der Sommer, in dem die Zeit stehenblieb (Tanya Stewner)

(c) Fischer Verlage
Ausgabe:Gebunden

Seiten: 391

ISBN/ ASIN: 978-3-596-85426-4

Verlag: Fischer KJB

Erschienen: 12.02.2015








Juli und ihre Freundin Whoopi sind nicht sonderlich beliebt in der Schule. Juli entspricht keinem Schönheitsideal und ist die absolute Streberin und Whoopi ist sowieso total durchgeknallt. Aber in diesem Sommer ändert sich für Juli alles. Auf ihrer Lichtung, die sie aufsucht, wenn sie einfach mal Ruhe und Entspannung braucht, taucht plötzlich ein Fremder auf. Er redet seltsam, scheint unter Asthma zu leiden. Und warum verhält er sich so seltsam? 
Zunächst dachte ich, ein leichtes Buch für Zwischendurch ist gerade genau richtig. Etwas für's Herz und zum Mitfühlen und abtauchen. Aber weit gefehlt. Diese Geschichte birgt noch so viel mehr. Es ist eine leichte Lektüre, aber nur deshalb, weil es sich um ein Jugendbuch handelt. Der Schreibstil ist flüssig. Erzählt wird die Geschichte aus Julis Sicht. Auch das Mitfühlen macht die Autorin einem leicht. Ihr gelingt es einfach perfekt, sämtliche Gefühle zum Leser zu transportieren. Ich konnte mich in die Protagonistin hineinversetzen und mich fühlen, als ob ich wieder 16 Jahre alt wäre. Ich habe mich leicht und lebendig gefühlt, ich war wütend, aber auch traurig. Und vor allem: schwer verliebt.

Zunächst lernt der Leser lediglich Juli und Whoopi kennen. Die Beschreibungen beschränken sich aber mehr auf deren Charaktereigenschaften. Das hat mir die beiden schon sehr sympathisch gemacht. Das Aussehen spielt keine wichtige Rolle, wird daher auf das Nötigste reduziert und man erfährt darüber auch erst ein bisschen später etwas. Gut gefallen hat mir vor allem, dass es sich um eine Protagonistin handelt, die nicht rundherum perfekt aussieht, aber ständig jammert, sie wäre so unscheinbar. Juli ist keine Schönheit nach unseren Vorstellungen und trotzdem hat sie eine tolle Ausstrahlung. Außerdem ist sie auch in ihrem Auftreten nicht perfekt. Sie macht Fehler, ihr Verhältnis zu den Eltern ist ziemlich unterkühlt und sie ist die Streberin der Klasse, die zu keinerlei Partys eingeladen wird. Kurz: Ein Mensch mit Ecken und Kanten und aus dem wahren Leben.

Nach einer sachten Einführung, schreitet die Geschichte immer schneller voran. Die Ereignisse folgen aufeinander, um dann wieder etwas ruhiger und gelassener zu werden, bis sie sich zum Schluss hin fast überschlagen. Aber nur fast, denn sie tun es nicht. Die Handlungen der Figuren fand ich immer sehr nachvollziehbar. Besonders gut gemacht fand ich, dass die Autorin mal einen anderen Zukunftsausblick gegeben hat, der nicht düster war. Das hat mich sehr zum Nachdenken gebracht und ich muss gestehen, dass ich mir eine solche Zukunft durchaus vorstellen könnte. Aber auch hier hat die Autorin nicht einfach eine rote Brille gezeichnet und dem Leser aufgesetzt. Sie hat alles Positive und Negative beleuchtet und beschrieben und lässt auch keinen Zweifel daran, dass Veränderungen Opfer brauchen. 

Diese Geschichte zog mich völlig in ihren Bann. Sie ist absolut spannend aufgebaut. Die Art, wie die Autorin Fragen erzeugt, die nicht unmittelbar beantwortet werden, sondern die sich in einer logischen Folge weiterer Handlungen erst ergeben, hat mich absolut eingenommen. Auch dieses Buch ist ein fabelhaftes Beispiel dafür, dass Spannung manchmal auch ohne Action auskommen kann. Es gab viele überraschende Momente und Wendungen. Ich habe auch allerlei Vermutungen angestellt, von denen keine so eingetroffen ist.

Am Ende bleibe ich nun traurig zurück, als ich das Buch zuschlage. Denn für mich dreht sich die Zeit auch wieder weiter. Eine Geschichte über die Liebe und Freundschaft und den Mut zu Veränderungen. Absolut empfehlenswert. Ich vergebe super tolle 5/5 Sternchen.

Zum Buch geht es hier.
 

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