Freitag, 10. April 2015

[Kreatives] Die Prüfung

 Die erste Woche der Zitate-Sammelei ist vorbei. Dies ist, was ich daraus gemacht habe. Beim besten Willen habe ich nicht alle Zitate unterbekommen, aber 17 an der Zahl können sich wohl sehen lassen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!



"Ihr kommt recht spät" [1], begrüßte ich die Neuankömmlinge entnervt.
"Keine Macht den Drogen ist in deinem Fall gelogen und ich denk mir meine Güte, bitte bau' dir mal ne Tüte!" [2], kam die prompte Antwort meiner beiden Freunde. Ich weiß, ich bin kein einfacher Mensch, aber wenn ich eines nicht leiden kann, dann ist es Unpünktlichkeit. Ich wollte gerade zu einer Gardinenpredigt ansetzen, da hob Tom seine Hand.
"Sprich mit der Hand!" [3]
Beleidigt wandte ich mich Lukas zu, der grinste. 
"Können wir endlich unsere Mission in Angriff nehmen?"
"Not yet Kameraden, not yet." [4], skandierte Lukas. Seit er ein Jahr in Amerika verbracht hatte, verstand ich ihn leider nicht mehr. Er liebte es, uns auf englisch vollzutexten. Und schon ging es weiter.
"Brothers, what we do in life... echoes in eternity."[5]
"Ja, ja, ist ja schon gut", murrte ich, doch Lukas kam gerade erst so richtig in Fahrt.
"And me? I still believe in paradise. But now at least I know it's not some place you can look for. Because it's not where you go. It's how you feel for a moment in your life when you're a part of something. And if you find that moment... It lasts forever." [6]
"Hä?", fragte ich ziemlich einfaltslos. Keine Ahnung, was er von mir wollte. Mir kam ein Zitat von Einstein in den Sinn: Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher. Irgendwie passte das gerade, denn ich fühlte mich unglaublich dumm neben Lukas. Er hatte so eine Art an sich, dass sich in seiner Gegenwart alle ziemlich unklug fühlten. Ich weiß nicht, woran genau das lag. Als hätte Tom meine Gedanken gelesen, meldete er sich zu Wort: "Du bist mutiger als du meinst, stärker als du scheinst und klüger als du denkst." [7]
"Sag mal, seit wann kannst du eigentlich Gedanken lesen?", wandte ich mich ihm zu.
"Bin ich etwa Marvin, der Gedankenleser?" [8], fragte er frech zurück. "Oder sehe ich so aus, als ob ich das könnte? Nee, Mann, wenn man dich - so wie ich - schon einige Jahre kennt und dazu noch deinen Gesichtsausdruck sieht, ist doch völlig klar, was dir gerade durch den Kopf geht."
Ich resginierte und sagte zu Lukas: "Ich brauche mehr Details!" [9], und nach einer kurzen Pause: "Schreiben Sie´s auf, ich beschäftige mich später damit!" [9] Wir grinsten uns an. Nichts ging über einen Insider. 

Nachdem wir uns wieder gesammelt hatten, wollten wir uns dem widmen, weswegen wir uns eigentlich hier getroffen hatten. Wir standen mitten in der Nacht auf einem Friedhof. Alles war ruhig, nur der Wind raschelte über das Laub und strich über die Grabsteine. Ein wenig gruselte es mich doch, aber ich wollte mir nichts anmerken lassen. Immerhin handelte  es sich hier um unsere Aufnahmeprüfung für die angesagteste Studentenverbindung überhaupt. Wir waren noch Frischlinge und natürlich mehr als stolz darauf, die Prüfung bereits im ersten Semester ablegen zu dürfen. Wir hatten keine Ahnung, was auf uns zukam. Es war ein wenig kühl und so steckte ich meine Hände in die Tasche meiner Jacke. Etwas knisterte dort und als ich die Hand wieder rauszog, hielt ich einen mehrfach zusammengefalteten Zettel zwischen den Fingern. Ich öffnete ihn und strich ihn glatt. Markus, der Älteste der Studenverbindung, musste ihn versteckt haben, denn ich erkannte seine Schrift.

"Rauf Rauf Rauf immer schön die Treppe rauf!" [10], las ich vor, "Hör mal, hol mir mal ne Flasche Bier sonst streike ich hier und schreibe nicht weiter" [11], ging es weiter. Hatte das nicht mal irgendwann unser Altkanzler Gerhard Schröder gesagt? 
"Jetzt ist er vollkommen verrückt geworden," schüttelte Tom fassungslos den Kopf. "Was zum Henker sollen wir denn damit anfangen? Die Prüfung soll doch wohl nicht daran bestehen, dass wir ihm Bier besorgen! Das hätte ich ihm auch im Supermarkt kaufen können."
Gedankenverloren drehte ich den Zettel um. "Ach nö!",  stöhnte ich, "es geht noch weiter. "Wenn der Hai aufhört zu schwimmen, muss er sterben. Deshalb hören Sie nicht auf zu schwimmen, Agent Mulder." [12] 
"Haie und Biere, was will er uns damit bloß sagen?", rätselte Lukas.
"Wir sollten von vorne beginnen, da steht, wir sollen eine Treppe raufgehen. Seht ihr eine?" Tom war wieder das Genie unseres Trupps. Aber eine Treppe sah ich nirgends. Alles, was ich sah, war unendliche Finsternis und ab und an ein Grabstein, der sich aus dieser schälte. Manche Unendlichkeiten sind größer als andere Unendlichkeiten. [13] Wir gingen also einfach auf gut Glück los und schlichen über den Friedhof. Nach einer gefühlten Ewigkeit stießen wir tatsächlich auf eine Treppe. Sie ging allerdings nur ein paar Stufen hoch, Markus hatte mal wieder völlig übertrieben. Oben angekommen waren nur weitere Gräber. Soweit so gut und jetzt? Ich hatte das Gefühl, beobachtet zu werden. Eine Gänsehaut überzog mich. Plötzlich knackte und raschelte es überall. Stimmen wisperten, aber sehen konnten wir nichts. Ich schwöre, ich konnte hören, wie sich etwas durch die Erde grub und Sargdeckel beiseite geschoben wurden.
"Vielleicht sollten wir die Sache mit dem Schwimmen und den Haien übertragen und die Beine in die Hand nehmen!", rief ich voller Panik und rannte los. Wir stoben jeder in verschiedene Richtungen davon. Minuten oder Stunden später - ich weiß es wirklich nicht genau, da ich jegliches Zeitgefühl verloren hatte - blieb ich stehen und atmete schwer. Nicht weit entfernt konnte ich auch Tom und Lukas schnaufen hören. Irgendwie hatten sie es geschafft, zu mir aufzuschließen. Nachdem wir wieder zu etwas Atem gekommen waren, wollte ich gerade wieder zum Sprechen ansetzen, als mich eine Stimme unterbrach, die mir sehr bekannt vorkam: "April, April Jungs. Übung ist das halbe Leben! [14] Die erste Prüfung habt ihr gerade so bestanden, aber ihr solltet künftig mehr joggen."  Markus trat aus den Schatten hervor und grinste uns unverholen an. Nein, ich muss mich korrigieren, er grinste uns nicht an, er lachte uns regelrecht aus! "Ihr habt doch bestimmt Durst und die Nacht wird noch lang für euch werden. Macht es euch doch gemütlich" Er zeigte in die Nähe eines Grabsteins. Dort standen drei Kisten Bier. In der Tat waren wir sehr durstig und stürzten uns auf die gut gekühlten Flaschen.
"Gier ist gut. Gier hat die Menschheit mehr voran gebracht als irgendetwas sonst in der Geschichte" [15], sagte Markus. Er kam mir sehr zufrieden vor. Und keine Minute später wusste ich auch, warum. Die zweite Prüfung stand uns bevor: Wir sollten die Nacht auf dem Friedhof verbringen und durften dabei Bier trinken, soviel wir wollten. Klingt gemütlich, hatte aber zwei Haken: Zum einen durften wir auf gar keinen Fall betrunken werden, sonst würden wir durch die Prüfung fallen. Zum anderen wurden die Nächte noch empfindlich kalt. An Schlaf war also nicht zu denken. Und egal, was kam, wir durften auf gar keinen Fall diesen Platz verlassen, bis Markus uns irgendwann höchstpersönlich abholte. Mit den Worten "Ich komme wieder!" [16] wandte er sich ab und ging davon. Na dann, gute Nacht und Prost! Ich seufzte und fragte meine Freunde:"Bereit?" - "Bereit, wenn du es bist." [17], echoten sie.

 
Ich hoffe, die Geschichte hat euch wenigstens ein bisschen gefallen. Lob und Kritik dürft ihr über die Kommentare aussprechen. Ob es mit dieser Geschichte nächste Woche weitergeht, weiß ich noch nicht. Wer weiß? Lassen wir uns überraschen!


[1] (Frodo zu Gandalf in Herr der Ringe - Die Gefährten)
[2] (Wise Guys, Song "Ja, ja")
[3] (Arnold Schwarzenegger in Terminator 3) 
[4] (Der Alte in "Das Boot")
[5] (Gladiator)    
[6] (Richard - The Beach)  
[7] (Pu der Bär von A.A. Milne)
[8] (Murph zu Bud Fox in "Wall Street") 
[9] (Didi Hallervorden in Didi - Der Doppelgänger) 
[10] (Gollum in der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs) 
[11] (Gerhard Schröder) 
[12] (Informant Deep Throat (Der Mann mit der tiefen Stimme) in der Akte X Folge "Täuschungsmanöver" aus der 1.Staffel)
[13] (John Green - Das Schicksal ist ein mieser Verräter)
[14] (Jürgen Prochnow als "Der Alte" in "Das Boot")
[15] (Gordon Gekko in Wall Street)
[16] (Arnold Schwarzenegger in "Terminator) 
[17] (Gwen und Gideon in "Liebe geht durch alle Zeiten" von Kerstin Gier)

Kommentare:

  1. Wow, da hast du dir ja eine tolle Geschichte ausgedacht. Mal gucken ob ich auch eine so tolle hinbekomme.

    Ganz liebe Grüße,

    eines der Bücherwürmchen

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    1. Vielen Dank! :-) Ich bin schon auf deine gespannt!

      LG
      Kata

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