Sonntag, 15. März 2015

[Lesewoche] 100 % Lesen für die Daheimgebliebenen 2.0 Tag 4

Eine Aktion von Skyline und Traumlilie. Mehr erfahrt ihr hier.

Heute scheint die Sonne nur hinter den Wolken, deswegen denke ich, dass der Sonntag heute recht leseintensiv wird. Ich werde sehen :-)

Skyline hat heute wieder eine kreative Aufgabe für uns:

Heute schreiben wir mit euch ein Impromärchen! :)

Jetzt um 10 Uhr beginnen wir alle mit dem Satz „Es war einmal…“. Jeder führt diesen Satz weiter (dabei ist es euch überlassen, wie viel ihr weiter schreibt). Alle 4 Stunden werfen wir dann einen neuen Satz in die Runde, mit dem ihr dann wieder dasselbe macht und den ihr an euer bereits Geschriebenes anfügt. (Natürlich könnt ihr auch so zwischendurch immer ein wenig an eurem Improtext weiterschreiben, wenn ihr eine Idee habt! :)).
So entsteht im Verlauf des Tages eine kleine Geschichte, die alle möglichen Formen annehmen kann – von verrückt, über traurig bis hin zu lustig! Wir sind schon gespannt ;)

Das heißt um 10 Uhr bekommt ihr den ersten, den zweiten um 14 Uhr, dann um 18 Uhr und um 22 Uhr gibt es dann von uns den letzten Satz!

"Es war einmal ein kleines Mädchen, das war voller Fantasie und Träumereien. Sie lebte in einer kleinen Stadt, in der Nähe einer Burg, die nur noch aus einem einzigen Turm bestand, weil sie schon so verfallen war. Sie hatte nicht viele Freunde, die brauchte sie auch gar nicht, denn sie lebte in ihrer eigenen Welt. Ihre Fantasie half ihr, nicht so einsam zu sein.
 

Aber in der Burg ging unheimliches vor sich, davon war Meggie fest überzeugt. Manchmal, wenn sie nicht schlafen konnte, dann hörte sie unheimliche und schaurige Geräusche von der Burg. Und wenn sie genauer hinsah, konnte sie unheimliche Lichter und Schatten umherschweben sehen. Meggie wusste, dass diese Begebenheiten nicht ihrer Fantasie zuzuschreiben waren; sie waren wirklich. Sie war wirklich nicht einsam, aber manchmal wünschte sie sich, sie könnte mit jemandem darüber reden. Mit ihren Eltern konnte sie das nicht. Sie würden nur lächeln und sagen, die Fantasie gehe mal wieder mit ihr durch. Meggie seufzte und wandte sich wieder ihrem Buch zu. Sie las heimlich mit einer Taschenlampe unter ihrer Bettdecke. Es war Nacht und alles um sie herum war still und schlief. Nur sie, Meggie, lag wach und grübelte, was es mit der Burg wohl auf sich hatte.

In einem verzauberten Schloss tief im dunklen Wald wohnte eine Hexe. Sie hatte einen Fluch über die Menschen gelegt, in dem sie..." 

... ihnen sämtliche Fantasie und Träumereien raubte. Den Menschen fiel nichts auf, denn man benötigt Fantasie um sich einen solchen Fluch und seine Auswirkungen vorzustellen, aber Fantasie war genau das, was ihnen genommen wurde. Einzig Meggie ist hiervon verschont geblieben. Sie ahnte schon lange, das irgendetwas nicht stimmte, aber sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was.

Diese Nacht war sehr außergewöhnlich. Nicht nur, dass die Schatten und Lichter heute besonders umtriebig waren. Auch Meggie war heute sehr unruhig. Es kribbelte sie in den Fingern und Zehen, etwas zu tun. Sie spürte, dass die Nacht außergewöhnlich war und heute irgendetwas passieren würde. Schließlich hielt Meggie nichts mehr im Bett. Sie schlug die Bettdecke beiseite, tappte auf nackten Füßen zum Fenster und öffnete es. Die Nacht war sehr mild und roch nach Sommer. Plötzlich vernahm sie eine Stimme: "Wenn du deine Eltern retten willst, musst du es heute Nacht tun!" Meggie erschrak und blickte sich um. Sie erblickte einen kleinen Kobold, so groß wie eine Männerhand. "Du brauchst keine Angst vor mir zu haben.", sagte der Kobold und setzte ein bezauberndes Lächeln auf. "Ich bin Klaus.", stellte er sich vor. Meggie stutzte und kicherte. Der Kobold setzte einen beleidigten Blick auf. "Klaus?", fragte Meggie nicht sehr geistreich? "Ja", knurrte der Kobold, "was dagegen?". Er ballte seine Fäustchen und blickte Meggie grimmig an. "Nein, nein, ich war nur überrascht, dein Name ist sehr außergewöhnlich", beeilte sich Meggie, den Kobold hastig zu beschwichtigen. "Ich bin Meggie."
"Ja, ja, das weiß ich doch längst, warum glaubst du, suche ich dich sonst auf?", knurrte der Kobold halbwegs besänftigt.
"Aber wieso soll ich meine Eltern retten?", wunderte sich Meggie.
"Na, weil sie sonst niemals wieder ihre Fantasie zurückbekommen werden. Und Menschen ohne Fantasie werden bald sterben. Hast du nicht bemerkt, dass deine Eltern immer trauriger wurden? Ihnen fehlt etwas, aber sie können es nicht benennen. Du musst sie retten!"
"Aber wie?"
"Du musst den Fluch der Hexe brechen. Geh zu dem Turm und stelle dich der Fantasie." Klaus erzählte Meggie von dem Fluch und seinen Auswirkungen.
"Aber wieso habe ich noch Fantasie?"
"Du bist die Einzige, die Fantasie ernst nimmt und daran glaubt."
"Aber andere Kinder glauben auch an ihre Fantasie."
"Nicht so wie du. Sie denken sich Geschichten aus und spielen und lachen, aber sie alle glauben, nichts davon könne wahr werden. Sie glauben nicht an Hexen und Kobolde. Ja, sie glauben nicht mal an den Weihnachtsmann."
Meggie war nicht fähig etwas zu erwidern. Klaus streckte seine kleine Hand aus und zog Meggie vorsichtig durch das Fenster. Mechanisch kletterte sie in die Nacht hinaus und schlich mit dem Kobold zur Burg. Als sie direkt davor stand, musste sie mehrmals blinzeln. Von so nahem sah die Burg gar nicht mehr aus wie eine Burg. Eher wie ein Schloss. Ein Märchenschloss. Zum Eingang des Schlosses führte eine riesige ausladene Treppe.

Und plötzlich, als die Uhr Mitternacht schlug, lag ein gläserner Schuh auf einer Stufe der Schlosstreppe...

Meggie hätte schwören können, dass der Schuh eben noch nicht dalag. Ging ihre Fantasie mit ihr durch?
Als hätte er ihre Gedanken gelesen, flüsterte der Kobold:
"Siehst du den Schuh, dort auf der Treppe? Du musst im Schloss nach dem zweiten Schuh suchen und beide der Hexe übergeben."
Meggie sah ihn zweifelnd an. Was sollte das für einen Sinn haben?
"Also, eigentlich ist die Hexe gar nicht so böse.", druckste Klaus. Wie bitte? Das wurde ja immer besser! Erst verflucht die Hexe alle und dann soll sie nicht böse sein?"
"Sie war nicht immer böse. Früher war sie eine sehr liebenswerte Prinzessin.", schwärmte Klaus. "Doch ihre fürchterliche Stiefmutter neidete ihr ihre Schönheit und Liebenswürdigkeit und auch den Prinzen, der sich in sie verliebte. Und so sprach sie einen Fluch über ihre Stieftochter, der sie wiederum böse machte. Und nur, wenn Lela beide Glasschuhe wiederfindet, kann der Fluch aufgehoben werden."
So richtig überzeugt war Meggie nicht, aber sie betrat zögernd die Treppe, hob den Schuh auf und erklomm Stufe um Stufe. Je näher sie dem Eingangsportal kam, um so schauerlicher wurden die Geräusche aus dem Schlos. Meggie kämpfte mit aller Macht gegen Drang, sich umzudrehen und die Flucht zu ergreifen. Klaus sprach ihr Mut zu. Sie erreichte die riesige Tür und sah, dass diese einen kleinen Spalt offen stand. Vorsichtig drückte sie die Tür auf. Was sie sah, ließ sie zurücktaumeln. Sie stand nicht etwa in einem Saal oder gar irgendeinem anderen Raum. Sie war wieder draußen. Ungläubig blickte sie sich um.


Auf einer Wiese stand ein knorriger Baum am Ufer eines Sees. Unter diesem befand sich ein Loch, so tief und düster, dass man das Ende nicht sah...

"Da hinein musst du klettern und den zweiten Schuh holen.", wisperte Klaus. "Aber wie komme ich da hinunter?"
"Benutze deine Fantasie. Wenn du die nicht mehr hast, ist alles verloren."
Also schlosss Meggie die Augen und stellte sich eine Leiter vor, die bis zum Boden reichte. Als sie die Augen wieder aufschlug, war tatsächlich eine große Leiter erschienen, die ein Stück aus dem Loch ragte. Sie setzte Klaus auf ihre Schulter und begann hinabzuklettern. Stufe um Stufe, Stunde um Stunde. Meggie war bereits erschöpft und konnte nicht mehr weiter, doch da hatte sie plötzlich den Boden erreicht. Es war nicht so dunkel, wie sie vermutet hatte. An den Wänden des Tunnels vor ihr leuchteten kleine Laternen. Sie folgte ihnen und kam schließlich in eine geräumige Höhle. Und dort lag in der Mitte der zweite Schuh. Allerdings wurde dieser von tausenden von Schlangen bewacht. Ratlos stand Meggie im Eingang und konnte sich vor Schreck nicht rühren. "Fantasie", flüsterte Klaus. Wieder schloss Meggie die Augen und stellte sich vor, wie der Schuh zu ihr schwebte. Kaum hielt sie diesen in der Hand, vibrierte der Boden unter ihr und mit einem lauten Poltern verschwanden die Schlangen und eine fürchterlich anzusehende Hexe stand vor ihr. Meggie wusste, dass es sich um Lela handeln musste. Sie schluckte kräftig, sammelte all ihren Mut und drückte der Hexe wortlos die gläsernen Schuhe in die Hand. Völlig überrascht ob des Mutes, den das Mädchen zeigte, nahm sie die Schuhe. Und kaum, dass sie sie in der Hand hatte, gab es einen grellen Blitz, so dass Meggie geblendet die Hand vor die Augen hob, es polterte abermals und als Stille einkehrte, nahm sie langsam die Hand herunter. Vor ihr stand keine Hexe mehr, sondern eine wunderschöne Prinzessin, lieblich anzuschauen und neben ihr stand ein wunderschöner Prinz. Sie hielten sich bei den Händen und lächelten sich an. 
"Klaus", wisperte Meggie in Richtung ihrer Schulter. Es kam keine Antwort. Stattdessen wandte sich der Prinz zu ihr um und nahm ihre Hand.
"Meggie, wir danken dir von ganzem Herzen, dass du uns von unserem Fluch erlöst hast! Das werden wir dir nie vergessen! Auch Lelas Fluch ist hiermit gebrochen und die Menschen können wieder träumen und fantasieren. Als Dankeschön bekommst du diesen Glücksbringer." Mit diesen Worten überreichte Klaus Meggie eine wunderschöne Brosche.

Meggie wusste nicht mehr, wie sie in ihr Bett kam, und als sie morgens frisch ausgeruht aufwachte, dachte sie kurz, sie hätte alles geträumt. Aber in ihrer Hand befand sich noch die Brosche. Es ist also wahr gewesen. Kurz darauf schaute ihre Mutter zur Tür herein. Sie wirkte viel lebendiger, die Wangen waren leicht gerötet und es schien, als ob eine schwere Last von ihr abgefallen wäre. "Ach, ich habe heute zum ersten Mal seit langer Zeit wieder geträumt."

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