Freitag, 26. September 2014

Sex, Kids und Rock'n'Roll: Amanda rockt das Haus (Thea Verano)



(c) Thea Verano

Verlag: selfpublished
 
Ausgabe: ebook/Mobi 

Seiten: 291

ASIN: B00N9BZA4I








Amanda ist allein erziehende Mutter der Zwillinge Holly und Yuma. Nach einem tragischen Schicksalsschlag zieht sie in ein kleines Dorf, das auch am Ende der Welt sein könnte. Um sich dort einzuleben, nimmt Amanda sich vor, sich den dortigen Gepflogenheiten anpassen zu wollen, muss aber schon bald feststellen, dass das mehr Schwierigkeiten nach sich zieht als je gedacht. So sieht sie sich plötzlich nicht nur einer sehr garstigen Kindergärtnerin gegenüber, sondern auch "Helmchen", Vater desjenigen, in den sie sich verliebt hat, und Chef des Mergensruh-Kartells. Beide drohen, ihr Leben zu zerstören. Was hat Amanda ihnen schon entgegenzusetzen? Wie kann sie sich wehren? Aber wer eine Freundin wie Audrey zur Seite stehen hat, der kann doch nur gewinnen, oder? (Audrey: "I became the law, and the law wins")

Eigentlich ist diese Art Geschichte so gar nicht mein Genre. EIGENTLICH! Uneigentlich hat mich dieses Buch mit viel Witz und Charme und geballter Schlagfertigkeit mitzittern lassen, was mit Amanda und ihren kleinen "Ablegern" passieren wird.

Ich danke daher der Autorin Thea Verano, dass sie mir ein Leseexemplar zur Verfügung gestellt hat!!! Es hat sich definitiv gelohnt!


Das Buch ist mit sehr viel Humor, auch teilweise bösem, gespickt. Allerdings versteht es Thea Verano, von einem Moment auf den anderen von witzig auf einfühlsam umzuschalten, ohne dass es konstruiert wikt. Tatsächlich schafft sie es, dass der Leser sich super in Amanda hineinfühlen kann. Die Geschichte ist aus Amandas Sicht geschrieben, und zwar in einem sehr speziellen Stil - einerseits schreibt sie genau das nieder, was und wie sie denkt, andererseits ist es aber auch nicht durchgängig in der Umgangssprache geschrieben. Sie gibt zwar öfter auch mal regionalbedingte Ausdrucksweisen von sich, aber dies ist doch immer gepaart mit hochdeutsch. Auf diese Weise weiß der Leser immer genau, wie es ihr gerade geht, was in ihrem Kopf vorgeht. Ich konnte richtig nachempfinden, wenn Amanda vor Wut wie eine Löwenmutter auf die Kindergärtnerin losgehen wollte, um ihre Töchter zu beschützen, aber andererseits ihr Verstand versuchte einzuflüstern "Lass es lieber bleiben, so kommst du nicht weiter". Herrlich fand ich auch so einige eigene Wortkreationen wie "verwinkschieden". Die vielen Bindestriche zwischen den Wörtern, die Eigenwortkreationen - all das macht Amanda selbst aus.

Amanda hat den Hang sämtliche Personen sofort mit anderen fiktiven Figuren zu vergleichen und diese dann auch so zu bezeichnen. Da gibt es also u. a. einen Oberstufenschlumpf oder einen Policen-Hotzenplotz. Durch diese Vergleiche gelingt es Thea, die Figuren ohne noch viel Worte drumherum sehr gut zu zeichnen. Der Leser kann sich sofort ein Bild über die Personen und auch über die Umgebung machen. Selbst Personen, die nur einen Nebenauftritt im Buch haben, bleiben nicht blass.

Am Anfang hatte ich ein bisschen Probleme gehabt mit den etwas abrupten Rückblicken in die Vergangenheit oder ihren Tagträumereien". Allerdings gewöhnt man sich schnell daran. Im Laufe des Buches kommen die abrupten Szenenwechsel auch nicht mehr so häufig vor, jedenfalls habe ich das dann nicht mehr so empfunden.

Die Geschichte selbst nimmt sehr schnell an Fahrt auf. Man kann den Spannungsbogen nicht mit etwaigen Spannungsbögen aus der Fantasy & Co. vergleichen, weil wir hier nicht über ein Fantasy-buch "reden". Deshalb ist dieser Spannungsbogen einfach einmalig und einzigartig. Unbedingt wollte ich wissen, was das Schicksal für die Löwenmama bereit hält und wie sie damit umgeht.

Was mich ab und an ein kleines bisschen gestört hat, war, dass die Sätze teilweise etwas sehr lang waren. Das Buch lässt sich zwar recht flüssig lesen, aber bei Bandwurmsätzen musste ich öfter mal innehalten und zweimal hinschauen, weil ich teilweise Satzabschnitte beim Lesen so betont habe, dass der Satz zunächst keinen Sinn ergab. Daher vielleicht lieber die Sätze kürzer halten und öfter mal ruhig einen Punkt setzen oder ein Ausrufezeichen. Auch gab es ab und an einen Satz, bei dem ein Wort nicht so ganz hineingepasst hat, z. B. heißt es an einer Stelle "Ach Unsinn, der hatte es sich einfach gefragt". Das sollte bestimmt "gemacht" heißen.

Zudem springt die Autorin plötzlich zum Ende des Buches hin über ein/ zwei Seiten ins Präsenz, um dann wieder in der Vergangenheit zu schreiben. Ich weiß nicht so genau, ob das Absicht war, um einfach den Stress, den Amanda gerade hatte, besonders hervorzuheben. Auf jeden Fall habe ich mich während des Lesens gefragt, warum auf einmal Präsens.

ABER: Dies hat meiner Lesefreude nicht im mindesten geschadet. Es hat Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Und ich möchte unbedingt wissen, ob und wie es mit Amanda weitergeht. Die eine oder andere Frage ist für mich offen geblieben: z. B. warum Marlies so völlig ausgetickt ist und nicht mehr auf Holly und Yuma aufpassen will (war das wirklich nur wegen des kaputten Wohnzimmertischs?) und wie sie sich in Zukunft gegen Helmchen wappnet, denn ich glaube nicht, dass der einfach so klein beigibt! "Es ist nicht vorbei, bevor es vorbei ist."

Allen, die keine Chic-Lit mögen, sei dieses Buch empfohlen. Denn es ist kein Chic-Lit, ganz im Gegenteil. Ich vergebe also ganz tolle 4/5 Sternchen.

Zum Buch geht es hier


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