Donnerstag, 20. November 2014

Radioactice - Gesamtausgabe (Maya Shepherd)


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(c) Maya Shepherd


Ausgabe: Mobi

Seiten:1056

ISBN/ ASIN: B00AGY27VU

Verlag: selfpublished









Seit dem 3. Weltkrieg sind ca. 80 Jahre vergangen. Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr; alles ist radioaktiv verseucht. Ein Leben an der Oberfläche ist nicht mehr möglich. Um das weitere Überleben der Überlebenden zu sichern, ist das Leben bis ins kleinste Detail geregelt. Gefühle gibt es nicht mehr, denn Gefühle führen zu Streit und Streit zu Krieg. Doch D518 ist anders, obwohl alle gleich sind. Sie wird eines Tages von Rebellen entführt und muss erkennen, dass auch ein Leben außerhalb der Sicherheitszone möglich ist. Und ehe sie es sich versieht, muss sie sich entscheiden: Für die Rebellen oder die Legion.

Wow! Dieses Buch hat mich einfach nur sprachlos zurückgelassen. Selten habe ich ein Buch gelesen, dass vor so vielen verschiedenen Emotionen nur so brodelt. Alle bekannten Gefühle wie Liebe und Hass, Traurigkeit und Freude waren dabei, aber auch so viele andere, die ich nicht in der Lage bin zu beschreiben. Und dass, obwohl Gefühle doch nicht erwünscht sind. Jedes einzelne Gefühl ist absolut nachvollziehbar. Ich habe geheult, empfand Mitleid und hätte einigen Personen vor lauter Wut am liebsten eine Ohrfeige verpasst. Alles wirkt sehr greifbar und real. Die Autorin schafft es immer wieder, alles und jeden von allen Seiten zu beleuchten. Für Personen, auf die der Leser zunächst tiefe Wut verspürt, empfindet er plötzlich Mitleid. Ein System, in dem Roboter herangezogen werden, ohne eigenen Willen und ohne Freiheit, kann der Leser gleichzeitig verabscheuen und doch als Zuhause empfinden. Immer ist der Zwiespalt vor allem der Protagonistin deutlich spürbar, sehr logisch und absolut nachvollziehbar.

Die ersten beiden Teile des Buches sind ausschließlich aus der Sicht der Protagonistin geschrieben. Später mischt sich der auktoriale Erzähler ein und lässt den Leser die Geschehnisse auch von anderen Charakteren erleben, die nicht unwesentlich zur Geschichte beitragen. Die Figuren und die Orte des Geschehens sind sehr gut beschrieben. Die Geschichte ist von stetigem Wandel geprägt und macht sich auch in den Beschreibungen bemerkbar: Während am Anfang die Beschreibungen aufgrund mangelnder Vielfältigkeit einseitig und geringfügig sind (und natürlich auch bleiben müssen), entwickeln sie sich konstant mit den Figuren und Orten mit. Der Leser kann sich jederzeit das Aussehen dieser vor Augen halten. Einzig, was die Lage der Orte anbelangt, lässt die Autorin ganz bewusst den Leser im Dunklen.

Die Charaktere entwickeln sich im Laufe der Geschichte in viele verschiedene Richtungen, manche wie erwartet, andere völlig unerwartet. Sogar Rückschritte bleiben konsequenterweise nicht aus. Aber bis auf wenige Ausnahmen ist keiner abgrundtief böse oder herzensgut.

Das Ende der Geschichte wird von Beginn an sorgsam aufgebaut. Auch, wenn die Charaktere anfangs nicht pausenlos von einer Gefahr in die nächste stolpern, bleibt es bis zum Schluss wahnsinnig spannend. Es gibt sehr viele überraschende Wendungen, die dazu beitragen.

Maya Shepherd regt den Leser mit ihrem Buch zum Nachdenken an. Sie sensibilisiert den Leser für seine Umwelt und Mitmenschen und bringt ihn dazu, Dinge zu hinterfragen. Vielleicht führt Ungleichheit zum Streit, aber muss Streit gleich zum Krieg führen? Sollten wir alle mehr lernen, toleranter gegenüber anderen Meinungen zu sein? Es gibt eben nicht nur schwarz und weiß, niemand ist ausschließlich liebenswert.

Ich kann dieses Buch ohne Einschränkungen einfach nur weiterempfehlen. Aber wenn ihr es lest, dann solltet ihr euch die Gesamtausgabe holen, denn diese Geschichte sollte man unbedingt nur zusammenhängend lesen. Ich vergebe daher 5/5 Sternchen.

Zum ersten Teil geht es hier

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