Mittwoch, 19. November 2014

Das Lied von Anevay & Robert - The Empires of Stones 1 (Erik Kellen)


http://www.erik-kellen.de/
(c) Erik Kellen
Ausgabe: Mobi

Seiten: 308

ISBN/ ASIN: B00EAV3UNY

Verlag: selfpublished

Erschienen: 01.08.2013






Anevay wird bei einem Autounfall aus dem Auto geschleudert, gefangen genommen und in das Gefängnis Fallen Angels gebracht. Sie soll angeblich eine Wild One sein, eine Zauberin, deren Magie noch nicht erwacht ist. Für Anevay beginnt eine furchtbare Zeit des Martyriums, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.
Viele Meilen von Anevay entfernt soll der junge Zauberer Lord Robert Humberstone eine Kriegsmaschine für den Kronprinzen bauen. Doch es ist gefährlich für ihn, zumal er einige Geheimnisse hat, die unter allen Umständen gewahrt werden müssen. Eines Tages rettet er einer jungen Frau das Leben und wird über Nacht zum Helden. Zwei Orte. Zwei Schicksale. Ein Lied.


Dieses Buch ist ein Buch voller Gegensätze, wie ich es noch nie gelesen habe, und zwar nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch. Der Autor gibt seiner Geschichte eine sehr düstere Atmosphäre, trotzdem würzt er sie an geeigneter Stelle mit einer gehörigen Portion Humor. Er schafft unüberwindliche Grenzen zwischen einem Gefängnis aus schwarzem Glas und einer Welt, die fast nur aus Metall zu bestehen scheint. Es gibt große Kluften zwischen arm und reich. Die Sprache lässt den Leser die Unterschiede zwischen den verschiedenen Charakteren spüren: Während der auktoriale Erzähler gewohnt auf das Hochdeutsche zurückgreift, bedienen sich die Charaktere feinster Umgangssprache, und zwar immer passend zu diesem. Ein Fiesling drückt sich nur durch Fäkaliensprache aus, der Seebär bedient sich der rauhen Sprache der See und der Bürger der Stadt redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist in seinem Dialekt.

Aber auch sonst legt der Autor einen ganz ungewöhnlichen Schreibstil an den Tag. Ich gebe zu, ich habe ein paar Seiten gebraucht, bis ich mich daran gewöhnt habe, aber danach konnte ich flüssig hintereinanderweg lesen. Erik Kellen beschreibt seine Figuren, deren Umgebung und die Handlungen sehr detailliert auf einzigartige Weise. Er wechselt kurze Sätze mit langen ab, hat für viele Sätze manchmal weder Prädikat noch Subjekt übrig und schafft es, den Leser durch sehr anschauliche Vergleiche, die noch nie jemand gezogen hat, genau vor Augen zu halten, was er da gerade liest. Die Sprache ist sehr schwer. Aber nicht im Sinne von "schwer zu verstehen", sondern im Sinne von "gehaltvoll", denn jeder einzelne Satz sagt etwas aus, informiert den Leser und wurde von mir verschlungen wie Schokolade. Ich konnte mir selbst die kompliziertesten mechanischen Gegenstände vorstellen, Erik Kellen scheint dies mit Leichtigkeit zu gelingen. Auch die Figuren bleiben nicht blass. Mit ein bisschen Aufmerksamkeit offenbart die Geschichte, wer die Protagonisten sind, auch wenn ein paar Dinge rätselhaft bleiben mögen.

Insgesamt fordert dieses Buch die volle Konzentration des Lesers, zu viel könnte ihm sonst entgehen. Die Geschichte ist ganz sicher keine Geschichte für zwischendurch oder eben noch ein paar Zeilen vor dem Schlafengehen. Und was sagt euch das? Richtig, allen, die einen ungewöhnlichen Schreibstil, mechanische Technik und zwei Schicksale, die unterschiedlicher nicht sein können, nicht scheuen, sei dieses Buch empfohlen. Ich bin schon sehr auf Teil 2 gespannt und vergebe daher 5/5 Sternchen.

Zum Buch geht es hier.

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