Samstag, 4. Oktober 2014

Der Orden der weißen Orchidee - Die Erbin (Tanja Neise)



(c) Karina Reiß
Ausgabe: Mobi

Seiten:377

ISBN/ ASIN: B00NMMPY9K

Verlag: selfpublished

Erschienen: 15.09.2014







Nach dem mysteriösen Tod ihrer Urgroßmutter erbt Marie deren Hab und Gut, unter anderem einen Hof in einem kleinen Dorf in Brandenburg. Aber warum ausgerechnet Marie? Ihre Großmutter, bei der sie aufgewachsen ist, hat den Kontakt zur Urgroßmutter verhindert und auch als Erwachsene hat sie diesen Kontakt nie gesucht. Schon bald offenbart sich ihr jedoch noch ein anderes Erbe. Sie kann kaum glauben, dass sie die Gabe der Zeitreise besitzen soll. Bis sie mitten im Abenteuer ihres Lebens steht. Dabei lernt sie auch noch Richard kennen, der sie begleitet, um mehr über die mysteriöse Gabe herauszufinden. Und welche Rollte spielt eigentlich dieser Orden der weißen Orchidee?


Von Beginn an hat die Autorin es geschafft, mich an diese Geschichte zu fesseln. Zu schwer fiel es mir, das Buch zwischendurch aus der Hand legen zu müssen. Tanja Neise schafft eine absolut märchenhafte Atmosphäre. Fast hatte ich das Gefühl, in Aschenputtels Welt gelandet zu sein. Aber weit gefehlt. Weder lässt sich dieses Buch mit irgendeinem Märchen vergleichen, noch geht es immer sehr märchenhaft zu. Ganz im Gegenteil. Der Autorin gelingt der Spagat zwischen märchenhafter und romantischer Atmosphäre und harter Realität in der Vergangenheit. Die geschichtlichen Hintergründe sind sehr gut recherchiert und eingearbeitet. Den Leser erwartet jedoch keine langweilige Geschichtsstunde, sondern die Hintergründe fließen so ganz nebenbei in die Geschichte ein. Sie drängen sich nicht in den Vordergrund, werden aber trotzdem vom Leser wahrgenommen.

Die Beschreibungen der verschiedenen Schauplätze sind sehr raffiniert vorgenommen worden. Je nach Stimmung, die in diesem Ort herrscht, wird dieser Ort beschrieben. So werden sehr gute Gegensätze der Orte in der Gegenwart und in der Vergangenheit dargestellt. Das Dorf der Urgroßmutter z. B. wird sehr malerisch und idyllisch beschrieben, Berlin dagegen als sehr lebhaft und hektisch, was es ja auch ist. Während des Lesens herrschte in mir selbst tatsächlich ein innerer Frieden, solange Marie sich auf dem Hof aufhielt. War sie in Berlin, wurde auch ich innerlich unruhig.

Auch die Figuren wurden mit viel Liebe gezeichnet. Hier fand ich super, dass der Leser im Laufe der Geschichte immer mal wieder ein weiteres Detail bestimmter Personen erfuhr. Er bekommt nicht gleich alles auf einmal serviert; die Autorin ergeht sich nicht in seitenweisen langweiligen Beschreibungen und Erklärungen. Vielmehr lässt sie einiges auch einfach mal nebenbei einfließen, so dass der Leser wirklich konzentriert in der Geschichte bleiben kann, es könnte ihm sonst sehr viel entgehen. Die Figuren entwickeln sich während der Geschichte stetig fort, aber nicht immer gefällt, was man liest. Der Traummann zum schmachten hat ebenso seine Ecken und Kanten, mit denen Marie klar kommen muss wie umgekehrt auch.

Dies ist ein weiterer Aspekt, der die Geschichte am Laufen hält. Marie und Richard müssen ebenfalls mit vielen männlichen und weiblichen Vorurteilen, Eifersucht und Vertrauen kämpfen. Nicht immer sind die Dinge so, wie sie zu sein scheinen und auch die Protagonisten haben ihre negativen Seiten. Ganz wie im realen Leben. Das hat mir sehr gut gefallen.

Die beiden stolpern von einer Gefahr in die nächste. Auch wenn die Autorin den Lesern eine vermeintliche Atempause und einstweilige vermeintliche Sicherheit gönnt, so wird die Spannung doch immer wieder neu aufgebaut. Es gibt sehr viele Spannungshöhepunkte, die den Leser zittern und mitleiden lassen. Tanja Neise schafft es, den Leser aus tiefster Hoffnungslosigkeit herauszureißen und ihn ganz langsam wieder Mut fassen zu lassen, auch wenn die Geschichte allen Anlass zur Traurigkeit gibt. Aber egal wie verzwickt die Situation ist, wie groß die Gefahr, die Geschichte ist immer plausibel, nie wird hektisch etwas konstruiert. Auch die Folgen der Zeitreisen wirken sehr plausibel und logisch. Taten, die in der Vergangenheit erfolgen, haben immer eine Wirkung auf die Zukunft. Dies hat alles eine sehr eigene und vor allem wirklich schwierige Logik, bei der ich wirklich passen muss. Tanja Neise ist es gelungen, hinter diese Logik zu kommen und dem Leser diese recht anschaulich zu vermitteln.

Selten, aber nicht ganz ungewöhnlich ist der Schreibstil. Das Buch ist durchgängig aus der Ich-Perspektive von Marie im Präsenz geschrieben. Ich habe mich schnell in den Stil reingefunden und konnte sehr flüssig lesen.

Dieser Roman vereint Romantik und Zeitreisen und ganz sicher Abenteuer. Ich kann dieses Buch daher jedem empfehlen. Ich freue mich jetzt schon auf Band 2 und hoffe sehr, dass ich nicht so lange darauf warten muss. Das Buch verdient definitiv 5/5 Sternchen.


Zum Buch geht es hier

1 Kommentar:

  1. Ahoy Kata,

    so unterschiedlich können die Meinungen sein!
    Ich habe das Buch abgebrochen, da es mir gar nicht zugesagt hat...


    Ich lasse dann mal frech meinen Link und liebe Grüße da, Mary <3
    http://marys-buecherwelten.blogspot.de/2016/07/der-orden-der-weissen-orchidee-die-erbin.html

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